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Full text of "Das Gräberfeld von Hallstatt"

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Das Gräberfeld von Hallstatt 

Adolf Bernhard Meyer 



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DAS 



GRÄBERFELD VON II ALLST ATT. 



ANLÄSSLICII EINES BESUCHES DASELBST 



A. R MEYER, 



MIT 3 LICHTDRUCK -TAFELN. 



DRESDEN. 

"KICK IM) VEKLAÜ Vi»N WILHELM Ho FF MANN". 

1885. 




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DAS 



GRÄBERFELD VON HALLSTATT. 



ANLÄSSLICH EINES BESUCHES DASELBST 



v..\ 



A. ß. MEYER. 



MIT 3 IAVH T D \i V C K - TA F E L N . 



DRESDEN. 

DRUCK IND VERLAG VON WILHELM HOFK.MANN 

1SS5. 



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V on den im verflossenen August von mir im Auftrage «1er Anthro- 
pologischen Gesellschaft in Wien ausgeführten Grabungen auf Gurina im 
oberen Gailthale. Kärnten, über welche ich baldigst berichten werde, 
begab ich mich nach Hallstatt zur Besichtigung des berühmten Grabfeldes, 
und die folgenden Bemerkungen bezwecken besonders, der gewonnenen 
Veberzeugung, das* die dortigen Ausgrabungen noch nicht als beendet 
angesehen werden können, Ausdruck zu verleihen. 

v. Sacken berichtete im Jahre 1807 in seinem Werke: „Das Grab- 
fcld von Hallstatt in Oherösterreich und dessen Altcrthümer" (Wien 18G8. 
4 9 . 1 50 pg. und 26 Taf.) über 5)93 aufgedeckte Gräber. 1875 in seiner 
Abhandlung: „Ueber einige neue Funde im Grabfeld bei Hallstatt" (Mitth. 
d. K. K. ( entr.-Comm. z. Krf. n. Erh. d. Kunst- u. bist. Denkm. X. F. I, 1) 
über drei weitere, und gab daselbst an, dass im Auftrage des Museum 
Franeisco-Carolinum in Linz nach 1864 noch über 100 Gräber durch- 
forscht worden seien. Im Jahre 1878 erwähnte v. Hochstetter 'Mitth. 
Anthr. Ges. Wien VII. 297). dass schon gegen 3000 Gräber auf dem Salz- 
berge geöffnet wären, und berichtete über acht von ihm selbst aufgedeckte 
(..Neue Ausgrabungen auf den alten Gräberstätten bei Hallstatt'' I. c. p. 297 
bis 318, 4 Fig. im Text und Taf. I — IV ;: ausserdem veröffentlichte derselbe 
über Hallstatt die folgenden zwei Abhandlungen: ..Govellin als Ueberzugs- 
pseudotnorphosc einer am Salzberg bei Hallstatt gefundenen keltischen Axt 
aus Bronze" (Stzber. d. K. Akad. d. Wiss. LXXIX. 1. Abth. 1879. 8 pg. und 
2 Taf.) und: „Ueber einen alten keltischen Bergbau im Salzberg von Hall- 
statt'- (Mitth. Anthr. Ges. Wien XI. 1881, 65—72 Taf. III und 4 Fig. im Text). 



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Sonst wurde, meines Wissens, seit v. Sacken nichts Specielles über 
Hallstatt geschrieben — <lie früheren Ptiblicationen findet man in dem 
Vorwort zu dem Sacken'sc-heu Werke") — , keineufalls aber ist das bereits 
vorhandene Material schon erschöpfend bearbeitet: so sagt z. B. Undset 
(Das erste Auftreten des Eisens in Nord-Kuropa 1882, 20). dass die Thon- 
gefasse aus den Hallstätter Gräbern ungenügend beschrieben seien, und in 
der That liegen über die 1244 derartigen Objectc, welche v. Sacken 
erwähnt, nur die Bemerkungen auf p. 10(i — 109 seines Werkes mit den 
Abbildungen auf Taf. XXV Fig. 7-15 und Taf. XXVI Fig. 1—8 vor. denen 
v. Uochstetter J. c. Vil Taf. IV) noch einige hinzufügte. So ist ferner 
da» grosse im hinzer Museum befindliche Material noch gänzlich unbekannt, 
aber, wie ich mich überzeugte, ausserordentlich reichhaltig, und die Be- 
arbeitung und Publicirung desselben würde sich zu einer um so werth- 
volleren Ergänzung des Sack elf sehen Werkes gestalten, als von der 
kunstgeübten Hand des Steigers Engl sehr sorgfältig aufgenommene Ab- 
bildungen in 4"> farbigen Folioblättern vorliegen, welche den Inhalt der 
Gräber in ungestörter Lage wiedergeben. Es müsste schon die Publieation 
dieser Blätter mit grösster Freude begrüsst werden, da sie nicht nur die 
lebendigste Anschauung der Verhältnisse erwecken, sondern auch gestatten 
würde, die Ordnung der Funde nach Gräbern vorzunehmen, was bis jetzt 
nirgends geschehen ist. Eine solche Ordnung aber wird es wahrscheinlich 
ermöglichen, eine zeitliche Gliederung der Funde vorzunehmen, so dass 
analoge Differenzen hervortreten können, wie sie die Nekropoleu von 
Bologna und Este zeigen, und wie sie aller Wahrscheinlichkeit nach auch 
in Hallstatt vorhanden sind. Gleichem Zwecke, welcher bis jetzt von 
keiner Seite verfolgt ist, könnten wohl auch noch die Kamsaue r'scheu 
Aufzeichnungen dienen, welche v. Hochstetter (Mitth. Anthr. Ges. Wien 
VII, 1877, p. 300 Anin.) erwähnt hat. Durch die Güte des Hrn. Jos. 



") Die III desselben al§ Beilage zu dem von der K. Aknd. d. Wiss. herausR. Anh. für 
Kunde Ost Geschichtstiuellen citirte Simony'sche Schrift „Die AlterthQnter vom Haiistitter Salzberg 
und dessen Umgebung" erschien als Beil. zu den Stzber. d. Phil. hist. Cl. der K. Akrvd. d. Wiss. IV, 
1850. 338 (Wien 1851. .,uer F"l ). 



St raber ger in Linz, welcher <lie llallstätter Sammlung im Linzel* Museum 
neuerdings geordnet hat, bin ich in die Luge gesetzt, über die für diese* 
Museum veranstalteten Grabungen etwas Näheres mittheilen zu können. 
Derselbe bemerkt: 

„Die Nachgrabungen auf dem Grabfelde zu Hallstutt. welche auf 
Veranlassung und Kosten des Museum Franeiseo-Carolinum in Linz vor- 
genommen wurden, umfussten den Zeitraum vom Jahre 1871 bis iucl. 1876. 
Mit der Leitung der bezüglichen Arbeiten war der K. K. Bergrath und 
Salinen Verwalter Gustav Schubert uud vom Jahre 1872 ab sein Amts- 
nachfolger Jos. Stupf, K. K. Bergrath, betraut. Beide lös ten diese ihnen 
gewordene Aufgabe in musterhafter Weise. Es wurde ein genaues Tage- 
buch geführt, die Situation jedes aufgedeckten Grabes nach einem bestimmten 
Maassstabe und die Fundgegeustiinde in natürlicher Grösse abgebildet. 
Das Ergebuiss dieser Nachgrabungen war: 

1871 33 Gräber (5 Skelet- und 28 Brandgräber) mit zusammen 
1CU Fundgegenständen. 

1872 34 Gräber (17 Skelet- und 15 Brandgräber, 2 Skelette mit 
theilweisem Brand}, zusammen mit 183 Objecten. 

1873 — 1874 37 Gräber mit 158 Gegenständen. 
1875 14 Gräber, darunter t) Brände mit zusammen 66 Gegen- 
ständen. 

1870* 12 Gräber, 7 Brände, 3 Skelette und 2 theilweise Ver- 
brennungen mit zusammen 34 Ubjecteu. 
Im Ganzen also 130 Gräber mit 601 Fundgegenstäuden, von welch' letzteren 
viele in 2 und mehreren, uud zum Theil auch in zahlreichen Exemplaren 
vorliegen (Nägelchen, Knöpfcheu. Bernstein- und anderen Perlen). 

..Von den im November 1846, dann vom Mai bis September 1847 
zu Tage geförderten Gegenständen besitzt das Museum die Abbildungen 
von dem damaligen Custos Georg Weishäupl gezeichnet auf 12 farbigen 
Tafeln, die Gegenstände selbst aber befinden sich in Wien. Ausserdem 
erhielt das Linzer Museum schon im Jahre 1»35 vom Bergmeister Poll- 
hammer eine Anzahl Hallstätter Objecte, ferner aus dem Nachlasse des 



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Hofrathes v. Az im Jahre 18H3 c. 100. darunter ein mächtiges Bronzc- 
schwert mit Pilzknauf von sehr schönen Formen und mit Kesten zierlicher 
Eiseuverzierungen, über welches seltene Stück noch Nichts publicirt worden 
ist, die Ausbeute von vielleicht & — 10 Gräbern, und endlich in demselben 
•Jahre von dem gegenwärtigen Dechanten in Eferding c. 80 Objecte, welche 
derselbe als Pfarrer gesammelt hatte. 

„Das Linzer Museum besitzt nunmehr an Bronzen: Gegossene und 
getriebene Unter- und Oberarinringe, Fibeln, Bügelhaften. Gürtel, kleine 
Spiralen, grosse und kleine Knöpfe, kleine Nägel, Dolche, Dolchgriffe, ver- 
schiedene Nadeln, Ohrringe, Buckeln. Feilen, Pfriemen, Pfeilspitzen, Fisch- 
angeln, verschiedene Zierstncke, Cisten. Schalen. Metallgcschirrfragmente und 
ein Schwert: an Objecto) uns Eisen: Messerklingen, Messer mit Bein- 
griff, Kelte, Hinge, Speerspitzen. Opfermesser. Schwertklingen etc.: aus 
Zinn: verschiedene Verzierungsstücke, oval gebogenen Draht: aus Bern- 
stein: eine grosse Zahl Ringe und Perleu, in verschiedener Grosse und 
Form, mit Bernsteinperleu ausgestattete Fibel: ans Glasschmelz und 
Glas: eine Anzahl grosser und kleiner verschieden geformter Perlen: aus 
Stein: Ringe von Speckstein, kleine Scheibchen von Marmor, durchlocht, 
Schleifsteine: aus Thon: Wirtel, Schinuckperlen, Topfscherben: an Knochen: 
vom Menschen (auch ein vollständiges Skelet), von verschiedenen Thieren: 
an Zähnen: vom Menschen, vom Wolf (durchlocht), vom Eber: endlich 
an Textilstiickeu: einen Lciuwaiidticck." 

Es wurden mir freundlicherweise Photographien in natürlicher Grösse 
von zwei der hervorragendsten Stücke des Linzer Museums zur Verfügung 
gestellt, welche ich auf Tafel 1 und II ebenso im Lichtdruck wiedergebe, 
und zwar (Tafel I) eine grosse Fibel mit reichem Kettenbehange, Schwänen 
und Pferdchen, und (Tafel II) ein Dolch mit eigenthümlichem Bronzegriff 
und Eisenklinge. Die Fibel ist eine der zwei von denen v. Sacken (.,Neue 
Funde", 1. c. p. 1) sagt: ,,Unter diesen (in Linz aufbewahrten Funden) sind 
besonders merkwürdig zwei Fibeln mit Kettenbehängen (ähnlich denen 
Taf. XIV 16, 17 und XV 1 meines Werkes;, grösser als alle bisher bekannten 
aus Hallstatt, auf jeder sind 4 Schwäne und 2 roh gebildete Pferde auf- 



*> Man vergleiche mit den Scheiben -Beliängen dieser Fibeln die Doppelscheiben gnni gleicher 
(ipV-* und Veninnmi.' in dein Fände von Dercolo im Xonsben,'. Sud -Tirol (Mitth. Centr. Con.m. i. Erf. 
d. Kunst -Denkm. N. F. X. 19S4. |>. LXXII. Fip. 4 i, von denen vionehn inaimmen gefunden worden 
sind nebst vierzehn Dopi«el ketten, welche, wie die nhißcn. uns Doppelgliedern bestehen. Sollte man 
hierin nicht einen (Jriind mit sehen dürfen, diu« jene seltenen llnllstiltter Fibeln vom Süden iniportirt 



gesetzt.- Dil- andere mit dieser zusammen gefundene ist ganz gleich, nur 
weniger gut erhalten. und beide stammen aller Wahrscheinlichkeit nach 
aus einem Grabe. Hr. Straherger ixt der Ansieht, dass diese Behänge 
dazu gedient halten, die Frauenbrüste zu decken und zu schmücken: e» 
wäre uueh denkhur, dass sie als Fpauletten benutzt wurden, denn man 
trug grosse Fibeln auf der Achsel siehe: Ffihrer durch das Klagenfurter 
Museum 1884, 28)*;;. 

Was nun das Gräberfeld seil »st angeht, so ist es, wie ich mich über- 
zeugte, noch nicht so weit abschliessend explorirt, dass man mit Sicherheit 
sagen könne, es sei dort Nichts mehr zu tindeiu Schon v. Hochstetter 
sprach es l c. VII, Ö01 ; aus. dass noch Manches von fortgesetzten Aus- 
grabungen zu erwarten sei: solche wurden al>er, da sich andere ausgiebige 
Fundorte in Krain und anderswo erschlossen, welche alle Krälte in An- 
spruch nahmen, nur iu ganz beschränktem Maasse veranstaltet, Hr. Ober- 
bergverwalter H utt er hatte die Güte, am 10. September d. J. fast das 
ganze (irahfeld und dessen Fmgehuug mit mir zu begehen: derselbe wohnt 
seit 12 Jahren im h'udollsthurtne und hat sich stets auf das Angelegent- 
lichste für die Sache interessirf, er ist daher zweifelsohne der vorzüglichste 
Kenner der Localität. 

Da auffallen<ler\veise niemals eine Ansicht des Gräberfeldes ver- 
öffentlicht worden ist — nur Siinonv"s (s. oben p. 2, Anm.) schönes 
Panorama von Hallstatt giebt eine Vorstellung von der Lage desselben — , 
und da bis jetzt auch keine Photographie der Gegend existirt. so liess ich 
al> Titelbild eine colorirte Zeichnung reproduciren, welche Hr. Hutter 
die grosse Freundlichkeit gehabt hat. mir zu spenden. Die kahle, geneigte 
Flüche an der linken Seite repräsentirt den Haupttheil der Leichenstätte, 
deren südlichste, au die Felsen links sich anlehnende Parthie jedoch ver- 



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deckt ist: das Gräberfeld zieht sich weiter in dem Walde hinter dem 
Hause des Mittelgrundes entlang und geht rechts bis fast an den Weg. 

Im Jahre J874 wurde von dem oben erwähnten Steiger Engl dem 
Linzer Museum eine Karte über die in dem Zeiträume von 184G bis 1874 
vorgenommenen Ausgrabungen eingesandt, welche noch nicht veröffentlicht 
ist; in einein die Einsendung dieser Karte betreffenden Schreiben heisst es: 
„Wie aus der Karte zu ersehen, wurde eine Fläche von 95 Klafter I*änge 
und 4h Klafter Breite =. 4275 DKlafter übergruben, Gewiss ist diese Fläche 
sehr bedeutend zu nennen, und dürfte die Ausdehnung des Grabfeldes 
kaum grösser anzunehmen sein. Gegen Süd, Ost und West hat man mit 
Bestimmtheit dessen Grenze erreicht, was von der Nordseite nicht behauptet 
werden kann, indem bei einer Sandgewinnung an der Nordseite in dem. 
dem jeweiligen Bergverwalter zugewiesenen Wiesgrund, sowie bei Reparatur 
des Oekotmmie -Gebäudes Skelette und Verbrennungen aufgedeckt wurden." 
Hr. Mutter zeigte mir u. A. Stellen im Walde, gegenüber dem Maria 
Theresia Stollen, welche noch ganz uudurchforseht sind, und welche, seiner 
Ansicht und Erfahrung nach, höchst wahrscheinlich gute Ausbeute geben 
werden. Allerdings liegen grosse Sleiublöcke im Walde, allein sie bieten 
keine unüberwindlichen Schwierigkeiten dar. 

In Mezug auf die Tiefe, in welcher die Gräber gefunden werden, 
dift'erirt die Angabe Hutter's etwas von derjenigen v. Sacken's und 
v. Hoehstetter's. Erstem- giebt (l. c. p. (V; l — 5 Fuss Tiefe an, Letzterer 
(I. c. p. 2t)!)) U,l — 3 m., Hutter meist nur V» m. Dieser meint ferner, dass 
auch Wohnstätten dort oben gewesen seien — was ja auch an und für 
sich mehr als wahrscheinlich ist — , da an einigen Stellen Thouscherben 
und Kohleuschichteu vorkämen, welche zu den Gräbern in keiner directen 
Beziehung stehen. Hr. Hutter machte mir hierüber noch folgende nähere 
.Mittiieilung: „An der Stelle des jetzigen Kudolfsthunues stand, sowohl nach 
der Lage desselben, als auch nach den daselbst vorgefundenen Topfseberben 
und. wie man sagt, massenhaften Eberzähneu zu sehliesseu. ohne Zweifel 
eine Ansiedelung. Vom Leichenfelde nördlich wurde ein Holzgebäude auf- 
gedeckt, welches von v. Höchst et t er als ein Magazin angesehen worden 



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ist, möglicherweise haben in dessen Umgebung noch mehrere Gebäude 
gestanden, welche aber tief unter Schotter liegen würden: das besagte 
Gebäude hat ein Bach ausgeschwemmt. Die meisten Wohnstätten der 
alten Bergleute dürften meiner Ansieht nach in der Nähe und oberhalb 
der jetzigen Berghäuser gestanden haben, weil dort die Gruben in das 
Salzlager aufgeteuft wurden, wie aus dem sogenannten Heideugebirge und 
den vorgefundenen Ueberresten in unseren dermaligeu Bauen hervorgeht." 

Ks ist meiner Ansieht nach auffallend, das* nach diesen doch 
zweifellos nicht fern von dem Grabfelde vorhanden gewesenen Wohnstätten 
noch nicht oder keinenfalls systematisch geforscht worden ist. v. Sacken 
(1. c. p. 141) geht auf die Frage nicht näher ein, und die anderen Autoren 
berühren sie überhaupt kaum (>. /.. B. Sitnony. p. 8b). Ein Volk aber, 
welches solche Sehätze in seine Gräber legte, wie wir sie von HalUtatt 
kennen, hat ganz zweifellos auch an seinen Wohnstätten viele Ueberreste 
von Bronzen u. dergl. hinterlassen, und ehe nicht diese aufgefunden sind, 
kann man die Grabungen nicht als allgeschlossen betrachten. So meint 
auch Hr. Mutter, dass noch Vieles zu durchforschen sei, ehe man behaupten 
könne, dass dort Nichts liege. Diese noch unberührten Stellen kennt der- 
selbe nun sehr genau, und es wäre daher uöthig. entweder eine exaete 
Karte aufzunehmen, auf welcher sie einzutragen sind, denn die Sacken'sche 
(1. c. Taf. 1) ist nur scheinaiisch und kann in dieser Beziehung nicht leiten, 
oder aber die abschliessenden Grabungen nach Hrn. Hutter s Angaben zu 
veranstalten. Da sich in Hallstatt kürzlich ein Musealverein gebildet hat, 
so wird es mit der Zeit schwierig, wenn nicht unmöglich werden, den auf 
dem Grabfelde noch liegenden liest den schon vorhandenen Sammlungen, 
wie es wünschenswert!! wäre, hinzuzufügen, zumal ausserdem Berufene und 
Unberufene hier und da eine liaubgrabung vornehmen und manches Stück 
verschleppen. So bemerkt Hr. St raberger: „Dass viele hochgestellte Per- 
sönlichkeiten und reiche Touristen dasselbe durch Kintiuss und Geld 
erreichten, was man dem Hofrathe Az gestattete, ist sicher anzunehmen", 
und mir selbst wurden mehrere solche Fälle bekannt: ich nenne nur einen 
derartigen Versuch seitens des Herzogs von Meiningen. Hr. llutter 



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wäre am besten in der Lage und bei seinem sachlichen Interesse gewis* 
auch geneigt, die restirenden Grabungen au leiten, — der Arbeitslohn 
beträgt 60 Kreuzer bis I Fl. 50 Kr. per Tag — und Derjenige wird die 
noch vorhandenen Schätze fortführen, welcher von den betreffenden 
K. K. Ministerien die Erlaubnis« zum Graben erwirkt, und zugleich die 
relativ geringen, hierzu notwendigen Mittel opfert, eine Aufgabe, welche 
gelöst werden muss, um das Werk am Hallstütter Grubfcld würdig abzu- 
sehliessen, und welche hoffentlich auch bald gelöst werden wird. 

Aligesehen vom Salzberg aber handelt es sich noch um den Hall- 
berg, d. i. der Abhang bis nach Hallstatt hinunter, ein 'sehr schwierig zu 
bearbeitendes, weil steil abfallendes Terrain. Es dürfte jedoch ergiebig 
sein, da man an manchen Punkten bereits auf Knochen stösst, wenn man 
mit dem Wanderstabe die schwarze Erde aufwühlt, v. Hochstetter hat 
daselbst an der „Wang- zur alten Hallstatt — die Stelle ist noch leicht 
kenntlich — eine Grabung veranlasst, welche auch von Erfolg begleitet 
gewesen ist (l. c. p. 305). U. a. fand sich eine Ii 1 /, cm. im Durchmesser 
haltende Thonplatte mit schriftartigen Zeichen (I. c. p. 3015, Fig. - , ): Schritt- 
Zeichen sind auffallenderweise in Hallstatt ausserordentlich spärlich bis 
jetzt gefunden worden (s. v. Sacken l. c. p. 94 u. 5)5. Tal. XIX. Fig. 11 
und XX, Fig. 5 — 12), was jedoch vorliegt, lässt die Annahme zu. dass es 
sich um „Xordetruskisches"' oder eine specielle Gruppe desselben handelt. 
In dieser Beziehung wäre, nach obigem Funde zu urtheilen. der Hallberg 
möglicherweise ausgiebiger als das obere Grabfehl. Im Ganzen sind an 
jenem acht Skeletgräber und ein Brandgrab aufgedeckt worden, welche 
derselben Periode wie die Salzberggräber angehören (briefliche Mittheiluug 
des Custos Heger in Wien). Eine nicht schwierig zu bearbeitende Stelle 
scheint die freie, von Wald eingefasste Wiese zu sein, welche man ober- 
halb zweier grossen Häuser von Hallstatt erblickt, wenn mau am jenseitigen 
Seeufer bei der Eisenbahnstation steht: diese Wiese liegt in dem in Frage 
kommenden Terrain am rechten Ufer des Mühlgrabens. Das ganze zu 
erforschende Gebiet umfasst aber viele Tausende von Quadratmetern vgl. 
auch v. Sacken 1. c. p. 122—128) und wird zweifelsohne noch wichtige 



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und nothwendige Aufschlüsse in Bezug auf die Beurtheilung der Nieder- 
lassung gewähren. Denn im Grossen und Ganzen ist mau eigentlich noch 
ziemlich im Unklaren über dieselbe. Man hat wohl den grössten Theil 
des Gräberfeldes aufgedeckt, allein, wie oben angeführt, von den Wohn- 
stätten noch so gut wie Niehts gefunden: man kann daher auch keine 
gegründete Vorstellung über die Dauer der Niederlassung gewinnen, welcher 
Factor aber ausserordentlich wichtig ist zur Ermessung der auswärtigen 
Beziehungen von Hallstatt. 

v. Sacken (1. c. p. 145) raeint, die Zeit der Benutzung des Grabfeldes 
sei „die zweite Hälfte des ersten Jahrtausends v. Chr. bis gegen die Periode 
der Kölnerherrschaft," er schützt also die Dauer der Benutzung des Grab- 
leldes auf mindestens 400 Jahre. Morlot setzt sie (nach v. Sacken I.e. 
Anm. 3) ungefähr 1000 Jahr« v. Chr., was aber aus anderen Gründen zu weit 
zurückgegriffen ist, Chantre (Etudes sur quelques necropoles hallstattiennes 
1884, p. 26) spricht sogar vom 13. und 14. Jahrhundert v.Chr. v. Hochstetter 
(Denkschr. K. Akad. d. Wiss. XLV1I, 202, 1883) ist geneigt, der Hallstätter 
Culturperiode in den österreichischen Alpen „die lange Dauer von wenigstens 
1000 Jahren" zuzuerkennen, ohne sich darüber zu äussern, ob die Dauer 
der Benutzung des Hallstätter Grabfeldes sich hiermit etwa deckt, jeden- 
falls scheint er aber auch eine viele Jahrhunderte lange Benutzung desselben 
angenommen zu haben. Dass v. Hochstetter gemeint hätte, Hallstatt 
selbst sei ein Centruin gewesen, von dem aus gewisse Bronzen sich nach 
Norden und Süden verbreiteten, wie Virchow (Corr. Blatt d. Anthr. Ges. 
1883, 83a) anführt, glaube ich nicht (cf. v. Hochstetter I. c. p. 175 fg.). 
Undset (Das erste Auftreten des Eisens 1882, 29 und 343) ist der Ansicht, 
dass der Höhepunkt der Hallstatt-Cultur uns in den Gräbern zu Hallstatt 
entgegentritt, und setzt jenen um die Mitte des letzten Jahrtausends; er 
sagt, dass diese Cultur an italischen Industrieproducten überreich sei 
(1. c. p. 192, Anm. 1) neben einheimischen (p. 17 und 29). Der Umstand, 
dass gar keine keltischen Münzen in Hallstatt vorkommen, kann die An- 
nahme stützen, dass die Gräber vor dem vierten bis dritten Jahrhundert 
v. Chr. angelegt worden sind, wie schon Morlot gemeint hut, wenn auch 



v. Sacken I. e. p. 145( dieses nicht unbedingt zugeben will. Tischler 
(briefliche Mittheilung; setzt das Ende der Hallstätter Periode in den 
Beginn des vierten Jahrhunderts v. Chr. und nimmt ihre Dauer auf 
circa 500 Jahre an. 

Einen gewissen Anhaltepunkt für die Dauer der Hallstätter Be- 
siedelung dürfte die Zahl der dort begrabenen Menschen geben. Es ist 
jedoch nicht ganz leicht, die Zahl der aufgedeckten Gräber zu ermitteln. 
Ich versuche auf Grund mehrfacher Erkundigungen die folgende Aufstellung: 

1 Bergmeister Pollhammer, welcher, wie oben 
mitgetheilt. die im Jahre 1835 gesammelten Gegen- 
stände dem Linzer Museum gab (s. auch v. Sacken 

1. c. p. 3) c. 10 Gräber. 

2 In einem Berichte der Salinen-Verwaltung vom 

2. Juli 1847 wird erwähnt, dass bis Ende 1847 
auf einem Flächenraume von 20 □ Klaftern 24 Ske- 
lette aufgedeckt wurden: es würde aber deren 
Anzahl sicher 40 betragen haben, wenn nicht viele 
durch die an der Erdoberfläche befindlichen 
schweren Stein blocke und durch Bauinwurzeln in 
Trümmer gelegt und die Gebeine ganz zerstreut 
worden wären Hutterj. Diese Gräber scheinen 



bei v. Sacken nicht erwähnt zu sein . . . c. 40 „ 
3 Von v. Sacken in seinem Hauptwerke aufgezählt 

(bis 1864^ 993 

4) v. Sacken: „Neue Funde" (1874; 3 

5) Linzer Museum (1871— 187«) 130 

6" Von Hütt er geöffnet von 1874— 1876 (briefliche 

Mittheilung; 107 

in welcher Zahl obige drei, sub 4 aufgeführten, 
wohl mit enthalten sind; 
7; Stapf, v. Hochstetter und Heger (nach des 

Letzteren brieflicher Angabe) 1877—1878 . . 36 



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8) Von 1878—1884 (nach Hutters brieflicher Mit- 
theilung) 10 Gräber. 

9) Die von v. Az aufgedeckten (Linzer Museum, 
siehe oben) c. 10 

10) Die von dem Dechant in Eferding aufgedeckten 
(Linzer Museum, siehe oben) c 10 

11) Im Museum von Ischl fand ich, gut gerechnet, 10 

12) Ich versuchte Angaben darüber zu erlangen, was 
in Museen und Privatsammlungen aus Hallstatt 
vorhanden sei und erfuhr das Folgende: Im British 
Museum zu London ein paar Spiralfibeln und 
Eisenäxte; in den Sammlungen von Sir John 
Lubbock und John Evans, nach der Zahl der 
Armbänder beurtheilt, der Inhalt von c. 40 Grä- 
bern: bei Dr. Much in Wien etwa 300 Gegenstände 
(aus dem Nachlasse des Bergmeisters Rainsauer), 
welche etwas über 50 Gräbern entsprechen sollen; 
in der Lehinantrschen Kunsthandlung zu Prag 
eine kleine Sammlung: ebenso im National-Muscum 
zu Budapest; im Gerinanischen Museum zu 
Nürnberg zwei Stücke: ein Armring und ein 
hirsehähnliches Thier: (im Central- Museum zu 
Mainz 34 Abgüsse der schönsten Wiener Objecte); 
bei E. Schröter in Dresden einige Stücke: im 
Museum von St. Germain desgleichen; im Museum 

i 

vaterländischer Alterthfuuer zu Stuttgart der In- 
halt von einem oder zwei Grabern. Ausserdem wird 
sich natürlich hier und da Einzelnes finden. Nach 
Dr. Undset'.s Meinung (briefliche Mittheilung) 
kann in den Sammlungen ausser Wien und Linz 
allerhöchstens der Inhalt von ein paar Hundert 
Gräbern zerstreut sein. Ich rechne (sehr hoch) c. 300 



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13) Da Anfangs jedenfalls ganz planlos gegraben und 
gewiss nicht sorgsam registrirt wurde (s. z. B. über 
ältere Funde auch v. Sacken 1. e. p. 2 und 3), 
auch die Brandgräber vielleicht nicht mitgezählt 
sind (nach Straberger werden stets nur Skelet- 
gräber erwähnt), so stelle ich hierfür und anderes 
Unberücksichtigte (z. B. den Raubbau vor der syste- 
matischen Grabung, die in Sammlungen zerstreuten 
Stücke ohne Fundorts- Angabe. neuerlieheVerschlep- 

pungen etc.) noch in Rechnung c. 200 Gräber. 

Summa: c. 1859 Gräber. 
Worauf sich die eingangs citirte Hochstetter sehe Zahl von gegen 
3000 geöffneten Gräbern stützt, habe ich nicht ermitteln können, denn 
wenn man auch annehmen will, dass der Inhalt sehr vieler Gräber ver- 
zettelt worden ist, so entfernt sich diese Zahl doch zu weit von den that- 
sächlichen Unterlagen, wenigstens so weit es mir gelang, dieselben zu 
eruiren. 

Man muss nun weiter in Betracht ziehen, dass in manchen Gräbern 
zwei und mehr Personen bestattet waren (s. v. Sacken 1. c. p. 8 und 9), 
so dass in obigen c. 1859 aufgedeckten Gräbern etwa 2000 Menschen 
(Männer, Frauen und Kinder) niedergelegt worden sein mögen. Nimmt man, 
um keiuenfalls einen grossen Fehler zu begehen, an, dass noch viele Gräber 
unaufgedeekt sind, und dass viele ausser den oben schon berechneten auf- 
gedeckt wurden, ohne dass eine Kunde davon in die wissenschaftliche Welt 
drang, ferner dass die Ansicht von der partiellen Verbrennung, welche 
übrigens nur 13 Mal vorgekommen ist (v. Sacken I. c. p. 14), aufzugeben 
sei, indem es sich in .diesen Fällen immer um ein älteres und um ein dazu 
gesetztes jüngeres Grab handelte, endlich dass vielleicht Sklaven irgendwo 
anders begraben wurden, wenn auch deren Gräber erst zu entdecken wären, 
so dürfte man am Salz- und Hallberge zusammen doch wohl nicht mehr als 
im Ganzen 3000 Personen bestattet haben, wenigstens scheint mir zu einer 
Mehrschätzung heute kein genügender Grund vorzuliegen, im Gegen- 



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theil diese Schätzung schon ausserordentlich hoch gegriffen und 
kaum gerechtfertigt zu sein. 

Nach Quetelet (Physique sociale I, 281. 1869) stirbt im mittleren 
Europa von circa vierzig Menschen im Jahre einer, und da dieses Ver- 
hältnis« vor 2000 und mehr Jahren wohl nicht wesentlich anders gewesen 
sein wird, würden die 3000 Hallstätter Todten bei einer Bevölkerungszahl 
von 1000, sich auf circa 120 Jahre vertheilen, bei 500 auf circa 240 Jahre, 
bei 250 auf circa 500 Jahre. 250 Menschen aber ist wohl die mindeste 
und 3000 Todte wohl die höchste Zahl, welche man überhaupt in diesem 
Falle annehmen kann, in Wirklichkeit wird es sich anders verhalten haben, 
und ich bin daher, bis andere Thatsachen vorliegen werden, der Ansicht, 
dass die Niederlassung von Hallstatt, wie sie sich uns in ihrer Blüthe durch 
die Gräberfunde vom Salzberge zeigt, relativ nicht lange gedauert hat, nur 
ein paar Jahrhunderte, wenn nicht noch kürzere Zeit. Ich glaube, dass 
durch solche oder ähnliche Betrachtungen etwas mehr Licht auf die Be- 
deutung der Hallstätter Niederlassung geworfen werden könnte. 

Die Benutzung der Tiefe des alten Abbaues auf Salz zur Bestimmung 
der Zeitdauer, wie es Stapf und Hutter (bei v. Hochstetter M. A. G. 
W. XI, 68. 1882) versucht haben, bietet, meiner Ansicht nach, Schwierig- 
keiten. Die senkrechte Tiefe des alten Baues beträgt 200 Meter, und es 
heisst nun (1. c. p. 69): „Wenn man bedenkt, dass der Abbau dieser aus- 
gedehnten Gruben mit den Mitteln jener Zeit und jenes Volkes viele Jahr- 
hunderte bedurfte, so inuss der grössere Theil vor unserer Zeitrechnung 
ausgeführt worden sein und demselben somit ein Alter von mindestens 
2 — 3000 Jahren beigemessen werdend Mir scheint jedoch eine solche Be- 
rechnung gar keinen sicheren Anhalt zu geben, und ebenso gut auf eine 
nicht allzu lange Dauer der Bearbeitung, wie auf eine längere gedeutet 
werden zu können. 

Auch die Grabungen in der Lahn bei Hallstatt (s. v. Sacken 1. c. 
p. 150—152 und v. Hochstetter 1. c. VII, 310—318) sind noch nicht ab- 
geschlossen, worauf ebenfalls bereits v. Hochstetter (1. c. p. 317) aufmerksam 
gemacht hat, und es ist zu erwarten, das» man hier noch lehrreiche Be- 




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Ziehungen der römischen zur vorrömischen Cultur eruiren wird: im Liuzer 
Mnsenin befinden sich einige Fibeln, welche in diesem Sinne zu prüfen 
sind. Ich erfuhr auch, «las» den Bewohnern der Lahn noch Spuren von 
Grabstellen und dergl. bekannt sind, welche ergiebig zu sein versprächen. 

Bei St, Agatha endlich, am Xordende des See's (s. v. Sacken: Mittb. 
(1. Centr.-Comm. X. F. II, p. XLI— XL1I, 1876 mit drei Figuren im Text 
und v. Hochstetter I. c. p. 318), ist noch weiter zu graben, — kurz ich 
halte es nicht für überflüssig, aufs Neue im Besonderen darauf aufmerksam 
zu machen, dass Hallstatt und Umgegend noch Aufgaben genug bieten, 
welche die prähistorische Forschung zu lösen hat. 

Die Frage nach der Herkunft, des in Ilallstatt gefundenen, zu Schmuck 
verarbeiteten Bernsteins ist noch unbeantwortet. Bernstein ist in Tausen- 
den von Perlen in über 300 Gräbern dort gefunden worden (s. v. Sacken 
1. c. p. 115 und die in Linz aufbewahrten Funde); v. Sacken (1. c. p. 78) sagte: 
„Auf allen Theilen des Grabfeldes findet man ihn, mit den verschieden- 
artigsten Beigaben, und aus dieser Allgemeinheit geht hervor, dass er 
während der ganzen Periode der Benützung desselben beliebt und nicht 
einmal besonders kostspielig gewesen sein muss, da sonst ärmlich ausgestattete 
Leichen mit schönen Bernsteingehängen geschmückt waren."* v. Sacken 
(I. c. p. 143) scheint anzunehmen, dass der Bernstein aus dein Norden ge- 
kommen sei: Undset (Eisen, p. 16) sagt, es sei noch unermittelt. „ob er 
aus dem Xorden geholt sei oder von Süden her," keinenfalls aber ist er 
bis jetzt näher untersucht worden, was «loch angezeigt ist, um eine positive 
Unterlage zur Beurtheilung der Frage zu gewinnen. Das Linzer Museum 
übergab mir zu dein Zwecke einige Stücke, über welche mir (). Helm in 
Danzig das Folgende mittheilt: 

„Die mir von Ihnen zur chemischen Prüfung übersandten Stücke 
von Bernsteinperlen, welche bei Hallstatt gefunden wurden, halte ich für 
baltischen Bernstein, d. i. Bernstein, wie er typisch uns der Tertiärformation 
des preussischen Samlandes gegraben wird und in den Küstenländern von 
den russischen Ostseeprovinzen an bis nach Jütland und Holland gefunden 
wird. Ich stütze meine Behauptung nicht allein auf die äussere Beschaffenheit, 



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Furbe etc des betreifenden Bernsteins, auf seinen charakteristischen Geruch 
beim Verbrennen, sondern auch auf seinen hohen Gehalt an Bernsteinsäure, 
Ich erhielt aus den Hallstätter Perlen durch trockene Destillation 4,2 Procent 
Bernsteinsäure. Kein anderes fossiles Harz, mit Ausnahme des sehr selten 
vorkommenden rumänischen Bernsteins, ist bis jetzt bekannt geworden, 
welches so viel Bernsteinsäure ausgiebt. Den rumänischen Bernstein unter- 
scheidet der Kenner jedoch leicht durch seine Farbe, Verwitterungsschicht etc. 
vom baltischen Bernstein. Ich zweifle deshalb nicht daran, dass die mir 
übersandten Perlstückchen einst aus baltischem Bernstein gefertigt wurden." 

Wetit» somit nach dem augenblicklichen Stande unserer Kenntniss, 
welche jedoch als eine sehr mangelhafte bezeichnet werden muss, ange- 
nommen werden könnte, falls man den Gehalt an Bernsteinsäure etc. für 
massgebend hält, dass der Haiistatter Bernstein aus dein Norden stammt, 
womit aber noch nicht gesagt zu sein braucht, dass er auf dem Wege des 
Handels von der Ostsee bis Hallstatt gekommen sei, da man z. B. in Schlesien 
allein schon nach Goeppert (Flora des Bernsteins, 1883, p. 50) 200 Fund- 
orte von Bernstein im Diluvium und bis zu einer Höhe von 1400 Fuss 
kennt (s. auch C. F. Zinckeii: Physiogr. d. Braunkohle, I8G7, 246), so will 
ich doch einige Hallstatt nicht ferne Fundorte von rohem Bernstein anführen, 

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trotzdem bis jetzt von denselben nur ganz geringe Quantitäten bekannt wurden: 
Am See von Gmunden in der Eisenau vereinzelte Körner in den 
Gösau-Schichten, obere alpine Kreide, und am See von Wolfgang im Tiefen 
Graben, wein- bis honiggelb, eingewachsen in kleinen Partien in bräunlich- 
gelben kohlenführenden Stiukstein der Gösau -Formation (nach v. Zepha- 
rovich: M in.- Lex. 1, 440, 1859, s. auch Zinckeu: Corr. Bl. Anthr.Ges. 1884, G2: 
über letztgenannte Localität: Reuss: Jahrb. Geol. Keichsanst. 1851, II d, 
58 fg.); ferner bei Gailling in der Nähe von Wien, wo neuerdings im Wiener 
Sandstein schön rother Bernstein gefunden worden (briefliche Mittheilung 
von Dr. Brezina unter Beifügung einiger Stücke, welche nach Helm, wie 
der italienische und sizilianische, keine Bernsteinsäurc entwickelten); aus 
dem Kressenberg bei Achthal, nahe Teisendorf in Oberbayern (briefliche 
Mittheilung von Prof. Fugger in Salzburg) und in Brandenberg bei 




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Rattenberg in Tirol (briefliche Mittheiluug von Prof. Pichler in Innsbruck). 
Jedenfalls sind, in Ansehung der vorliegenden Frage, Rohfunde von Bern- 
stein genuuer zu registriren, als es bislang geschehen. Es ist dieses schwer, 
da Manches in den Händen Unwissender verloren geht; so kuui es noch 
kürzlich bei Lommatsch in Sachsen vor, dass Bauern über zwei Kilo von 
im Felde mit Bronzen zusammen gefundenem bearbeiteten Bernstein als 
Colophonium des guten Geruches wegen verbrannt haben (Cai o: „Isis", 
1884, 76), und so mag es häutig auch mit Rohfunden gegangen sein. 

Es ist auch bei den sonstigen Beziehungen der ganzen Hallstatt- 
Cultur zum Süden und bei den in Hallstatt vorkommenden altitalischen 
Kunstproducten die Frage aufzuwerfen, wie es Undset (s. oben) bereit* 
gethan, ob der Bernstein nicht aus Italien stammen könne. Allein auch 
hier sind unsere Kenntnisse noch zu lückenhaft zu einem sicheren Urtheile. 
Auffallenderweise sind bis jetzt die Funde von bearbeitetem Bernstein in 
den Alpen südlich von Hallstatt sehr spärlich, so kennt mau solchen aus 
Kärnten nur von Frögg bei Rosegg, ausserdem fand ich kürzlich welchen 
in Gurina, aber an beiden Orten kommen nur ganz unbedeutende Mengen 
vor; selbst in dem an prähistorischen Funden so reichen Krain ixt er 
spärlich, Deschmann und v. Hochstetter führen z. B. unter vielen Hun- 
derten von Watscher-Übjecten nur fünf Bernsteinhalsschmucke und ein 
Bernsteinarmband auf (Denkschr. d. K. Akad. 1871), 20), welche geringen 
Zahlen sich allerdings durch spätere Funde etwas erhöhen (1. c. 1883, 1U7). 
Ebenso scheinen Bernsteinfunde in Steiermark selten zu sein. Pichler 
(Archäologische Karte von Steiermark: Anthr. Ver. zu Graz s. a.) kennt nur 
drei: bei Cilli bis drei Zoll grosse durchlöcherte Scheiben, Perlen. Hinge 
und dergl., über 20 Stück*) (p. 24), bei Eeitring eine silberne Nadel mit 
Bernstein (römisch, p. 28) und bei Stretweg Bernsteinkügelchen (p. .>0). 
(Aus dem Salzburgischen wird nur ein prähistorischer Bernsteinfund im 
Dürenberg bei Hallein gemeldet: Mitth. Ges. f. Salzb. Landesk. 21, 1)2. 1881. 
Prähist Karte.) Diese Spärlichkeit unterstützt keinenfalls die südliche 

*) Nach Herrn Riedl'» (Cilli) mir gütigst gemachten Mittheilung sollen die», ursprünglich 
94 Stück gewesen sein. 



Herkunft, wenn dieselbe auch der nördlichen nicht Vorschub leistet, denn 
da der baltische Bernstein auch in prähistorischer Zeit nach Italien gebracht 
worden sein soll, so bedürfte es einer Erklärung, warum derselbe in den 
Zwischengebieten so selten ist, während doch reichliche Funde vieler anderer 
Objecte, welche von auswärt* kamen, vorhanden sind. Zwar wurden in 
Italien und Sizilien ansehnliche Mengen rohen Bernsteins gefunden, allein 
dieser entwickelt keine Bernsteiusänre, während bemerkenswertherweise 
die bearbeiteten Bernsteinobjeete aus italischen Gräbern der ältesten Eisen- 
zeit (nach Helm) und aus späteren Gräbern wohl Bernsteinsäure entwickeln, 
aus welchem Umstände eben geschlossen werden soll, dass das Rohmaterial 
zu diesen Objectcn von der Ostsee gekommen sei. Es darf jedoch nicht 
ausser Acht gelassen werden, dass noch zu wenige Stücke aus italienischen 
Gräbern untersucht wurden, um einen Schluss zu gestatten 'Schneider: 
Naturwiss. Beitr. 1883, 180), und dass noch andere Gesichtspunkte hierbei 
zu berücksichtigen sind. Auf alle Fälle ist die Frage der Herkunft des 
Hallstätter Bernsteins eine wichtige, und eine solche, welche befriedigend 
beantwortet zu werden verdient. 

Schliesslich möchte ich noch die Aufmerksamkeit auf einen mikro- 
kephaleu Schädel in der Hallstätter Crypta lenken, welcher werth ist, der- 
selben entnommen und in einem Museum aufbewahrt zu werden. Als 
Zuckerkand I die Hallstätter Schädel im Jahre 1883 untersuchte (M. A. 
G. VY. XIII, t)3 fg.), befand sieb «lieser Mikrokephale noch nicht in der 
Crypta, denn er wurde erst 1884, zehn Jahre nach dem Tode, dorthin 
geschallt. Der Schädel gehört einem circa 4. r >jährigeu, angeblich mit nor- 
malem Verstände begabten Manne. Namens Kamsauer, au. dessen Mutter 
mu h lebt: er hinterliess einen Sohn, welcher .läger ist. Die Beschliesseriu 
war nicht zur Herausgabe des Schädels zu bewegen, vertröstete jedoch 
auf spätere Jahre. Es sollte dieser Schädel nicht ausser Augen gelassen 
werden. 

Dresden, K. Museum. Deeemher 188-1. 




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A. B. Meyer: Das Gräberfeld von IMlstaU. 



Tafel II. 




Ihilch mit ßronzeyriff und Eisenklingt vom Gräberfeld von II alktat f. 

Natürlich« Grünst. 



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